Die Urbesetzung dieser Band bestand zunächst aus einer Schar von Mitarbeitern und Patienten der Tübinger Nervenklinik, heute „Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie“ genannt. Es handelte sich um einen chaotischen Haufen mit unterschiedlichsten Charakteren und noch unterschiedlicheren Instrumenten. Die ersten Zusammenkünfte (Urproben, primitive Vorstufen von Proben) fanden im muffigen Gewölbe der Kinder- und Jugendpsychiatrie („Stinkekeller“) statt und hatten bisweilen skurrile Züge. Der damalige Oberarzt Prof. Mathias Bartels dachte an einen Kreis zur musikalischen Selbsterfahrung für Mitarbeitern und Patienten. Ein Instrument musste keiner spielen können, Noten interessierten nicht. Alphorn, Plastik-Keyboard, richtige Instrumente, Didgeridoos, alles ging. Es gab zunächst keine Stücke, noch nicht einmal Tonarten. Es war Anarcho-Free-Jazz. Manche nannten es Krach.

Es war spannend, experimentell, allerdings unaufführbar und der Genesung der Patienten kaum zuträglich. So kam es zu „Häutungsprozessen“. Aus ungeordnetem wurde geordnetes Chaos. In der nächsten Stufe, zwei bis drei Jahre nach dem Start, folgte die gewöhnungsbedürftige Klangwelt so langsam einfachen musikalischen Konventionen. Man begann allmählich damit, von Stücken zu sprechen und die auf „laut“ oder „noch lauter“ reduzierte ursprüngliche Dynamik wurde um „vielleicht doch etwas leiser“ erweitert. Mit der Zeit wurden Verschnaufpausen für die Solisten etabliert, und als man dazu überging, auf seine Mitmusiker zu hören, war der Start einer neuen Epoche nicht mehr aufzuhalten. Die Band begann ein beachtliches Niveau zu erreichen. Stücke bekamen einen Anfang und einen Schluss und damit Struktur, was kurzzeitig zu Irritationen und kontroversen Diskussionen führte. Jedenfalls hat die Band plötzlich musikalischen Ehrgeiz entwickelt.

Bis heute dominieren Psychiater und Psychologen. Weil das Alter der Musiker nicht entscheidend  ist sind mehrere Generationen vertreten. Jungmusiker werden erst mitgeschleppt, um später die Älteren in die Tasche zu stecken.

Musikalisch widmet sich die Band besonders dem Jazz, aber auch Blues, Rock, funkige Nummern oder eine Prise Latin sind dabei. Immer häufiger greifen Saxophonistin Bettina Scharnowski-Diegel und Pianist Michael Petersen zum Mikrophon.